Ausbildertagung des Gartenbauzentrums Bayern Mitte
Themen und Tipps rund um die Arbeit mit Auszubildenden

Mann mit Mikrophon

Josef Hofbauer eröffnete die Ausbildertagung 2019.

Im November 2019 fand seit langer Zeit wieder eine Ausbildertagung für die Bereiche Erwerbsgartenbau und Garten- und Landschaftsbau durch das Gartenbauzentrum Bayern Mitte statt. Im Forsthaus Nürnberg-Neunhof brachten sich die Ausbilder in zahlreichen Belangen auf den aktuellen Stand und erfuhren, wie man Auszubildende in der heutigen Zeit gewinnt und für die Arbeit begeistert.

Josef Hofbauer, Abteilungsleiter Gartenbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth (AELF) begrüßte die 67 Gäste. Er unterstrich, dass Ausbilder und Prüfer zu sein nach wie vor ein Ehrenamt sei. Glücklicherweise gebe es dafür ausreichend Personen, wenn auch neue Kollegen willkommen seien.
Spezialist und Trainer für Persönlichkeitsentwicklung - Tom Kett
Den Vormittag bestritt Tom Kett. Der Trainer für Persönlichkeitsentwicklung arbeitet als Fachdozent im Bauwesen und Vertreter im Massivhausbau. Er beleuchtete "den Azubi, das unbekannte Wesen". Er gab Tipps, um Azubis besser zu verstehen, ihn, alle Mitarbeiter und den Chef zu motivieren und an das Unternehmen zu binden.
"Beim Gedanken an Azubis gibt es bekanntlich zahlreiche Vorurteile", erklärt Kett. Die Frage sei, ob diese stimmten oder ob wir sie nur sehen wollten. Diese Art der selektiven Wahrnehmung beginne bereits mit dem morgendlichen Aufstehen. Starte der Mensch mit schlechten Erwartungen in den Tag, werde er mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht. Stehet man jedoch mit einer positiven Einstellung auf und lenkw seine Gedanken gezielt auf alles Positive, steige automatisch die Laune und die Motivation. Und diese Motivation stecke an.
Was wollen Jugendliche?
Untersuchungen einer Jugendstudie haben nach Ketts Aussage ermittelt, dass Jugendliche von ihrer Berufstätigkeit Sicherheit am Arbeitsplatz wünschen, dass sie etwas Sinnvolles tun wollen und das Gefühl haben wollen, etwas zu leisten. Würden diese Erwartungen ungenügend oder nicht erfüllt, führe das zu Frust.
Ausgefallene Ideen gefragt
Doch nicht alle Mitarbeiter und Azubis seien gleich. Die Persönlichkeitsforschung unterscheide mehrere Charaktere, die unterschiedlich behandelt werden müssen. Es gehe darum, die richtigen Stellen mit den richtigen Mitarbeitern zu besetzten. Die richtigen Mitarbeiter zu finden, beginne dabei bereits mit der Stellenausschreibung. Ausgefallene Ideen seien gefragt. Aber woher sollen die kommen? "Am besten von den Menschen, die Jugendliche gut verstehen – nämlich von Jugendlichen selbst", erklärt der Experte.

Tom Kett rät:

  • Übertragen Sie bestimmte Aufgaben an Ihre Azubis.
  • Lassen Sie den Jugendlichen dabei einen echten Handlungsspielraum bei der Umsetzung und legen Sie einen Rahmen fest (z. B. ein Budget, Zeitrahmen).
"Ob es sich um eine Kampagne zur Azubi-Werbung handelt, um die eigenverantwortliche Umsetzung einer Gestaltung auf dem Betriebsgelände oder der Facebook-Auftritt des Unternehmens: die Jugendlichen sind gezwungen sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und entwickeln einen Ehrgeiz und eine Motivation von sich aus die Sache gut zu machen. Wird bei Gelingen noch eine Belohnung versprochen ist der Erfolg praktisch garantiert."
Tom Kett
Teilnehmer am Tisch strecken die Arme aus und lächelnZoombild vorhanden

Teilnehmer üben

Regelwerk
Wichtig vor allem für Jugendliche ist laut Kett, die Regeln zu kennen und sich an sie zu halten. Klare Ansagen von Anfang an gäben Sicherheit. Entscheidend sei, diese Regeln gemeinsam zu erarbeiten und angemessene Sanktionen beim Nichteinhalten aufzustellen und im Fall der Fälle konsequent anzuwenden. "Besonderen Eindruck macht diese Methode bei jungen Menschen, wenn sie sehen, dass auch für Vorgesetzte und Chefs die gleichen Gebote und Sanktionen Anwendung finden", betonte Kett. Dem Ausbilder obliege die Vorbildfunktion. Er müsse eine Respektsperson sein. Das habe der Azubi verdient. Wobei es genauso wichtig sei, den Auszubildenden zu respektieren.
Bildungsberatung des AELF Fürth informieren
Rainer Petzi, Verantwortlich für die gärtnerische Ausbildung in Mittelfranken und der Oberpfalz, stellte sich und das Ausbildungsteam des AELF Fürth vor. Clemens Sonntag ging auf die Neuerungen beim Ausbildungsvertrag ein und verwies auf die aktualisierten Vordrucke. Renate Schöniger und Birgit von Papp-Greiner verdeutlichen die Wichtigkeit der Berichtshefte für alle an der Ausbildung beteiligten Parteien. Ausbilder und Auszubildende stünden gleichermaßen in der Pflicht, wenn es um die vollständige und rechtzeitige Abgabe der Ausbildungsdokumentation geht. Sie griffen den Vortrag von Tom Kett auf, indem sie vorschlugen, klare Regeln und Sanktionen aufzustellen, etwa bezüglich der regelmäßigen Abgabe und Durchsicht der Berichtshefte. Das Loben durch den Ausbilder dürfe dabei nicht zu kurz kommen, denn es steigere die Motivation des Auszubildenden.
"Gute Lehrlinge brauchen einen guten Chef!"
Bildungsberater des AELF Fürth
Ausbildung von Werkern im Gartenbau
Rainer Petzi erklärt anschließend, welche Anforderungen es bei der Ausbildung von Werkern im Gartenbau einzuhalten gilt. Da der Kostenträger meistens die Agentur für Arbeit sei, lege diese die Einstufung durch ein arbeitspsychologisches Gutachten fest. "Nicht richtig ist die weitverbreitete Meinung nur Förderschüler können eine Werkerausbildung machen", erklärte Petzi. Stelle der Ausbildungsbetrieb fest, dass ein Azubi den Ausbildungsanforderungen nicht gewachsen sei, könne er eine Begutachtung bei der Arbeitsagentur einfordern. In der Regel stühen jedoch nur eine bestimmte Zahl an Werkerplätzen bereit, sodass es zu Wartezeiten bei der Umsetzung kommen köne. Schließt ein Werker seine Ausbildung nach Aussage Petzis mit einem Notenschnitt von 2,5 oder besser ab, so ist eine Vollausbildung in einem Jahr möglich.
Teilnehmer diskutieren in kleinen Gruppen am TischZoombild vorhanden

Gruppenarbeit

Fit for Work
"Fit for Work" heißt das bayerische Förderprogramm mit dem Ziel, jungen Leuten mit Startschwierigkeiten den Weg in den Beruf zu erleichtern. "Startschwierigkeiten können etwa bei Jugendlichen mit fehlendem Schulabschluss oder Ausbildungsabbrechern vorhanden sein", erklärt Andrea Rabert (AELF). Dabei sei es egal, ob der Azubi Deutscher, EU-Ausländer oder anerkannter Asylbewerber sei. Der Zuschuss aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds betrage bis zu 233 Euro pro Monat und müsse spätestens drei Monate nach Ausbildungsbeginn beantragt werden.

Weitere Informationen - Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales Externer Link

Zwei Frauen halten eine Rede vor PublikumZoombild vorhanden

Anja Hübner (l.) und Rut Alker

Workshops für die Teilnehmer
Am Nachmittag wurden die Teilnehmer in Erwerbsgartenbauer und Garten- und Landschaftsbauer getrennt. In Workshops diskutierten sie dann unterschiedliche Themen der Ausbildung und stellten die Ergebnisse anschließend vor. Anja Hübner von Zentralverband Gartenbau (ZVG) und Rut Alker von Bayerischen Gärtnereiverband (BGV) klärten zudem die Ausbilder auf, welche Materialien und Aktionen der ZVG entwickelt hat, um junge Menschen für den Beruf des Gärtners zu gewinnen.