Fachtagung Gartenbau 2020 des Gartenbauzentrums Bayern Mitte in Nürnberg-Neunhof
Modernes Gärtnern: Nachhaltig und zukunftsorientiert

Am 20. Februar 2020 fand die diesjährige Fachtagung Gartenbau des Gartenbauzentrum Bayern Mitte am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Fürth und des Erzeugerrings für Blumen und Zierpflanzen Mittelfranken e.V. im Gasthof "Altes Forsthaus" in Nürnberg-Neunhof statt.
Dabei griffen die Referenten aktuelle Themen aus den Bereichen Produktion und Vermarktung auf. Im Fokus standen der Einsatz von Nützlingen, Nachhaltigkeit bei der Produktion und die zielgruppenorientierte Kommunikation mit dem Endkunden.
Begrüßung - Uta Hübner, stellvertretende Leiterin Abteilung Gartenbau am AELF Fürth
Uta Hübner dankte den knapp 100 Teilnehmern für das große Interesse der Betriebe an der Veranstaltung. Sie unterstrich, dass das Thema Nachhaltigkeit bei den Verbrauchern nicht nur mehr ein Wunsch sei, sondern zur Bedingung geworden sei.
Dies beträfe nicht nur den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, den Verzicht auf Torf und die Verwendung von Kunststoffen – vielmehr sei Nachhaltigkeit als ganzheitliche Aufgabe zu verstehen, die alle Bereiche der Produktion und Betriebsführung beträfe.
Einblicke in den Nützlingseinsatz im Gartenbau - Daniel Baldauf, Erzeugerring für Blumen und Zierpflanzen Mittelfranken
Daniel Baldauf vom Erzeugerring für Blumen und Zierpflanzen Mittelfranken e.V. gab Einblicke in den Nützlingseinsatz im Gartenbau. Den Begriff Nützlinge, der regulär als "antagonistische Insekten und Spinnentiere" verstanden würde, erweiterte Baldauf um hilfreiche pilzliche und bakterielle Mikroorganismen, Nematoden und die sogenannten Effektiven Mikroorganismen (EMO), die das Pflanzenwachstum unterstützen könnten. Der Nützlingseinsatz, der in vielen Betrieben bereits seit Jahren zum Standard gehöre, unterscheide sich maßgeblich von chemischen Bekämpfungsmaßnahmen.
So könne ein Erfolg nur durch vorbeugenden Einsatz und häufige Wiederholung der Maßnahme erzielt werden. Probleme bereiten häufig die vorherrschenden klimatischen Bedingungen, die auch für die Nutzorganismen passen müssen. Die Anwendung der biologischen Regulierung von Schadorganismen bedürfe ein hohes Maß an spezifischem Fachwissen und viel Erfahrung, so Baldauf.
Der Vorteil seien Produkte, die für den Naturhaushalt, die Mitarbeiter und letztlich auch für den Kunden unbedenklich sind und entsprechend bei der Vermarktung in Wert gesetzt werden könnten. Der Berater gab einen Ausblick über Nützlinge, die derzeit für den Einsatz in der Produktion neu getestet werden.
Erfahrungen mit dem Nützlingseinsatz in der Produktion und im Verkauf - Patrick Scharl, Gartencenter Seebauer, München
Viel Erfahrung mit diesem Thema hat auch Patrick Scharl vom Gartencenter Seebauer aus München. Er ist dort verantwortlich für den chemischen und biologischen Pflanzenschutz in der Produktion und im Verkaufsbereich. Für ihn ist die regelmäßige Erfolgskontrolle das wichtigste Instrument beim Nützlingseinsatz. Denn nur so könne eine Maßnahme auch wirtschaftlich sinnvoll gelingen. In seinem Betrieb (Produktion und Endverkauf) rechne er mit 1 bis 3 Stunden für das Monitoring und 2 bis 4 Stunden für das Ausbringen der Nützlinge pro Woche.
Für den nachhaltigen Einsatz empfahl der Experte die Schritte Etablierung, Haltung und Förderung und bei Bedarf erneutes Ausbringen. Auch das Anlocken von natürlich vorkommenden Helfern werde in München betrieben. Hierfür würden Blühflächen um Produktions- und Verkaufsflächen geschaffen.
Beispiel Schwebfliege
Ein gutes Beispiel sei hier die Schwebfliege. Die erwachsenen Tiere könnten besonders durch Doldenblüter angelockt werden. Ihre Eier legten sie bevorzugt in der Nähe von Blattlauskolonien ab. Ihre Larven gehörten zu den effektivsten Blattlaus-Vertilgern. Auch wenn die biologische Regulierung von Schaderregern häufig gelänge, könne sie auch an ihre Grenzen stoßen, etwa wenn der Befallsdruck zu groß werde.
Mögliche Probleme
Dann müsse mit herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet werden, um die wertvollen Produkte zu schützen. Probleme tauchen auf, etwa wenn Schädlinge auftreten, die noch unbekannt sind. Invasive Arten spielen hier eine Rolle. Diese wandern natürlich ein oder können über zugekaufte Pflanzen eingeschleppt werden. Auch Rückstände von Insektiziden auf Zukaufware könnten, neben ungünstigen Klimabedingungen, dazu führen, dass Nützlinge nicht effektiv arbeiten.
Fazit
Scharl wies darauf hin, dass die meisten Schaderreger biologisch bekämpfbar wären. Voraussetzung dafür sei eine intensive Auseinandersetzung damit in Theorie und Praxis. Dann könne es gelingen, einige chemische Mittel zu ersetzen und/oder deren Anwendungsintervalle zu erweitern.
Nachhaltige Zierpflanzenproduktion - Hans Peter Haas, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Hans Peter Haas griff sein Thema ganzheitlich auf. Neben ökologischen Betrachtungen spiele die Ökonomie in der Praxis eine wichtige Rolle und auch die sozialen Aspekte seien nicht zu vernachlässigen. Als wichtigste Bereiche für die gartenbauliche Produktion stünden neben dem optimierten Energieeinsatz derzeit Torfersatz, die Reduzierung chemischer Pflanzenschutzmittel und die Reduzierung mineralischer Dünger im Fokus der Forschungsaktivitäten. Auch wenn moderne Gewächshausanlagen bereits das Potenzial hätten, Energie einzusparen, hake in den Betrieben oft die Umsetzung.
Fossile Energieträger, die noch vorwiegend in der Produktion Einsatz fänden, würden durch die CO2-Abgabe 2021 deutlich teurer und somit weniger wirtschaftlich. Welcher Energieträger Zukunft habe, stehe derzeit noch nicht fest. Einsparungen durch Klimaführungsstrategien in den Gewächshäusern seien jedoch immer möglich, müssten aber exakt abgestimmt werden. Komplexer zu bewältigen wäre der teilweise oder vollständige Verzicht von Torf als Substratkomponente.
Stickstoff-Verfügbarkeit und Salzgehalt problematisch
Zahlreiche gute Materialien seien verfügbar, jedoch reagieren die Kulturen unterschiedlich, sodass eine Umstellung auf neue Substrate allmählich und unter besonderer Beobachtung erfolgen müsse. Probleme würden vorwiegend die Stickstoff-Verfügbarkeit und der Salzgehalt bereiten, die vor und während der Kultivierung ermittelt werden müssten. Zur Königsdisziplin zähle, laut Haas, der Einsatz organischer Dünger in der Topfproduktion. Die unvollständige und teils verzögerte Freisetzung des Stickstoffs bedürfe einer genauen Abstimmung zwischen fester Vorratsdüngung und flüssiger Bedarfsdüngung.
Pflanzenstärkungsmittel gewinnen an Bedeutung
Ziel von Pflanzenstärkungsmitteln solle es sein, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren und das Bodenleben zu fördern. Pflanzenstärkungsmittel würden zukünftig an Bedeutung gewinnen, auch wenn sie keine Wunderwaffen seien. Über die Wirkungsweisen sei noch wenig bekannt, der Erfolg bei der Abwehr von Krankheiten und Schädlingen durch Pflanzenstärkungsmittel aber unbestritten.
Projekt "Nachhaltiger Anbau von Topfpflanzen im Bayerischen Gartenbau"
Abschließend lud Haas die anwesenden Gärtner ein, sich dem Projekt "Nachhaltiger Anbau von Topfpflanzen im Bayerischen Gartenbau" anzuschließen. Es verschaffe den Anbauern die Möglichkeit, sich kostenfrei mit Experten, aber auch untereinander zu vernetzen und sich innerhalb der "Virtuellen Hochschule Bayern" ständig auf dem Laufenden zu halten und fortzubilden.
Damit "Online" endlich klappt - Lin Scherer, Webentwicklerin und Floristin, Kitzingen
Lin Scherer berät mit ihrer Firma floristweb vorrangig direkt absetzende Gartenbau- und Floristikunternehmen. Damit "Online" endlich klappe, hat sie für Ihre Kunden einen Online Strategie-Fahrplan entwickelt, der dafür sorgen könne, sich selbst als Unternehmen für potenzielle Kunden zur besten möglichen Wahl zu machen.
Dabei würden die vier unausgesprochenen Fragen „Wer bist Du?“, „Was bekomme ich von Dir?“, „Warum soll ich Dich wählen?“ und „Was muss ich tun, um Dich zu beauftragen?“ Schritt für Schritt bearbeitet.
Neben Grundlagen wie gute Bewertungen in Google sowie vollständigen und aktuellen Informationen im Social Media-Profil und auf der eigenen Website komme es vor allem darauf an, die eigenen Stärken zu präsentieren und dem Kunden das Gefühl zu vermitteln: "Hier bin ich richtig!". Letztlich dürften auch die Möglichkeiten nicht fehlen, direkt einen Auftrag auszulösen, also eine Conversion zu generieren.
Der Aufwand zur korrekten Erstellung seiner Online-Präsenz lohne sich insbesondere, wenn das Unternehmen es schaffe, aus einem zufriedenen Kunden einen "Fan" beziehungsweise einen "Botschafter" zu machen, der über eine positive Bewertung oder einen Post die Relevanz des Unternehmens im Internet voranbringe. Abschließend gab Scherer Tipps zur Arbeit mit Social Media.
Cyberschutz im Gartenbau - Maximilian Weber, Gartenbau-Versicherung
Eine Horrorvorstellung für jeden Anbauer wäre es, wenn Kriminelle sich in die Kultursteuerung eines Gewächshauses hacken und hier für Schäden sorgen. Mit diesem Thema setzte sich Maximilian Weber auseinander. Bisher sei ein solch gezielter Angriff auf ein Gartenbauunternehmen nicht bekannt, sagte Weber. Dennoch spiele Cyberschutz, also Abwehrmaßnahmen gegen kriminelle Tätigkeiten, die im oder durch das Internet verübt werden, eine wichtige Rolle für alle Unternehmen, auch im Gartenbau.
Vermeidbare Fehlerquellen
Gerade kleine und mittelständige Betriebe seien betroffen. Hier werde das eigene Risiko oft falsch eingeschätzt und präventive Abwehrstrategien würden fehlen. Dabei wäre die häufigste Ursache bei Cyberangriffen innerbetrieblich zu suchen und auf Fehlverhalten von Mitarbeitern zurückzuführen. Das Öffnen von Mailanhängen zweifelhaften Ursprungs stehe dabei an erster Stelle. Auch das Unterlassen regelmäßiger Updates stelle eine Gefahr dar und ermögliche es der Schadsoftware sich auszubreiten.
30 Prozent der Firmen in Deutschland gäben an, bereits Opfer erfolgreicher Angriffe gewesen zu sein. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, so Weber. Direkte Folgen für Unternehmen entstünden hauptsächlich durch Schäden im Bereich Datenwiederbeschaffung, Unterbrechungen im operativen Geschäft, Diebstahl von Kundendaten und letztlich durch den Vertrauensverlust bei Klienten. Obwohl ein 100-prozentiger Schutz nicht möglich sei, gäbe es allgemeingültige Grundregeln, die die Wahrscheinlichkeit von erfolgreichen Attacken reduzieren oder im Falle eines Falles die Wiederherstellung von Daten zeitnah ermöglichen würden.